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Nahrung als Medizin?

Hippokrates von KÚs

In früheren Zeiten, als es die Pharmazie noch nicht gab, griffen die Menschen zu bestimmten Nahrungsmitteln und Kräutern um gesund zu bleiben oder zu werden.

Im 5 Jahrhundert v. Chr. lebte der griechische Arzt Hippokrates von Kós, der heute als Begründer der Medizin als Wissenschaft gilt. Seine Empfehlungen zur Gesundheit lagen sowohl in einer ausgewogenen Ernährung als auch in Bewegung und frischer Luft begründet.
Der französische Chemiker Antoine Lavoisier gilt als Begründer der Ernährungswissenschaft. Ende des 18. Jahrhunderts führte er mit dem Physiker Pierre Laplace Experimente durch, aus denen er schloss, das das Leben ein Verbrennungsprozess sei und der Mensch Energie benötigt um zu leben.

Altes Wissen

Nur weil etwas "alt" ist, ist es nicht gleichbedeutend falsch! Viele auch heute noch geltende Lehren gründen im Altertum. Und so manches erweist sich heute wieder als richtig, obwohl es lange Jahre von der etablierten Wissenschaft abgelehnt wurde.

Manche Naturvölker haben ein erstaunliches Wissen über die Wirkungen von Nahrungsmitteln und Kräutern. Heutige Pharmakonzerne erforschen dieses Wissen, überprüfen im Labor die Inhaltsstoffe von Pflanzen und Kräutern. Inhaltsstoffe, die auf bestimmte Weise wirken, werden dann oft sythetisch isoliert hergestellt und bilden die Grundlagen von vielen modernen Arzneimitteln.

Alle Völker legen einen hohen Wert auf die Art der Ernährung. Schon Hippokrates soll gesagt haben: "Deine Lebensmittel seien Arznei und Deine Arznei sei Lebensmittel". Erst in der heutigen Zeit wird allgemein wenig Wert auf eine vernünftige Ernährung gelegt. Sagte Hippokrates noch: "Der Arzt kann helfen, heilen kann nur die Natur", so hat sich dieser Standpunkt heute extrem verändert, was wir alle daran sehen können, dass Naturarzneimittel größtenteils aus dem Zahlkatalog der "Krankenkassen" herausgenommen wurden.

Ayurveda

In anderen Ländern gibt es auch andere Ansätze. Das ganzheitliche Heilsystem in Indien und Sri Lanka heißt Ayurveda und wird seit Jahrtausenden praktiziert. Laut dieser Lehre sind Körper, Geist und Seele miteinander verbunden, und nur wenn sie im Gleichgewicht sind, ist der Mensch gesund. Ayurveda bezieht nicht nur Nahrungsmittel ein, sondern auch Bioenergien und verallgemeinert weniger. Die Ayurvedische Lehre empfiehlt für jeden Menschen eine individuelle Ernährung, daneben gibt es allgemeingültige Empfehlungen, wie z.B. nur bei Hunger zu essen und keine Zwischenmahlzeiten einzulegen. In jeder Mahlzeit sollten die sechs Geschmacksrichtungen (salzig, süß, sauer, herb, bitter und scharf) enthalten sein.

TCM

In China wird die traditionelle chinesische Medizin (TCM) gelehrt. Hier hat die Ernährung ebenfalls eine hohe Bedeutung. Nahrung wird nach fünf Geschmacksrichtungen klassifiziert: süß, scharf, sauer, bitter und salzig. Alles hat Einfluss auf das Qi - die Lebensenergie und alles hat ein Gegenstück, wie das Yin und Yang zum Ausdruck bringen. Die chinesische Medizin versucht ein Gleichgewicht herzustellen indem ein Mensch mit Yin Überschuß u.a. mit Yang Nahrungsmitteln behandelt wird und umgekehrt.

Europäische Antike

Die Medizin der europäischen Antike wurde wesentlich von Galenos von Pergamon (Galen) beeinflusst. Ihm gelang es die traditionelle "Medizin" mit den "neuen" Ansätzen von Hippokrates zu verbinden. Die traditionelle Medizin geht auf die alexandrinische Medizin aus dem 3. Jh. v. Chr. zurück und beschäftigt sich mit den festen Bestandteilen des Körpers. Hippokrates hingegen vertrat die so genannte "Viersäftelehre" mit den Aufteilungen in vier Elemente, vier Jahreszeiten, vier Lebensalter und vier Temperamente.

Galen folgte der Auffassung von Aristoteles, dass die Natur jede Körperstruktur so vollkommen geschaffen habe, dass sie ihre Funktion auf bestmögliche Weise ausüben kann. Galens Theorien bildeten u.a. auch die Grundlage der Hildegard-Medizin (Hildegard von Bingen).

Im frühen Mittelalter war die arabische Medizin der europäischen weit voraus. Avicenna, oder bürgerlich Abu Ali Ibn Sina, verfasste den >Canon Medicinae<, der griechische, römische und arabische Gedanken zur Medizin zusammenfasste. Besonderes Gewicht legte Avicenna auf Diäten bzw. die Ernährung. In Mitteleuropa galt die Medizin als Wissenschaft zunächst nur wenig. Krankheit galt als göttliche Strafe. Um das Jahr 795 wurde im Kloster Lorsch das "Lorscher Arzneibuch" verfasst. Der oder die Autoren versuchten altes Wissen auch in der damaligen Zeit zugänglich zu machen. Am Hofe Karls des Großen fand zu der Zeit eine Neubewertung der Medizin statt, was dazu führte das Mönche nun nicht nur für das Seelenheil, sondern auch für die Sorge um den Körper zuständig waren. Erst viel später entwickelte sich die Medizin als eigenständige, von der Religion getrennte Wissenschaft.

Vom Magier zum Mediziner

Heute gibt es die Medizin; in Deutschland heißt es Gesundheitswesen, wobei manch einer eher von Gesundheits-un-wesen sprechen mag.
Eine fast unüberschaubare Welt von Ärzten und Fachärzten, Heilern, Heilpraktikern, Natur- oder Orthemolekular-Mediziner und viele weitere Spezialisierungen. Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begann mit der Weiterentwicklung der Naturwissenschaften, die Entwicklung der Medizin zu einem kaum mehr zu überblickenden Wissensgebiet. Mit Zunahme der Spezialisierungen ging aber auch der Überblick ein wenig verloren.
In Deutschland versucht der Gesetzgeber da einzugreifen, allerdings sind die Mittel denn eher fragwürdig.
Die so genannte Alternative Medizin steht im Abseits, auch wenn sie noch so viele Erfolge hat, es kann nicht sein, was nicht sein darf. Medizin ist ein Gebiet, dass mit vielen Siegeln versehen ist und meiner Meinung nach nicht mehr viel mit dem so hoch geschätzten Hippokratischen Eid zu tun hat. Aber Medizin ist ein anderes Thema.

Ernährungswissenschaft

Die Oecotrophologie ist die Wissenschaft, die sich mit der Ernährung und den Inhaltsstoffen der Nahrung beschäftigt. Eigentlich sollten Menschen, die dieses Fach studieren, offen sein für die mannigfaltigen Wirkungen unserer Nahrung.

Allerdings, wenn ich so einem Oecotrophologen zuhöre, dann höre ich immer wieder "gebetsmühlenartig" die gleichen angeblich wissenschaftlich fundierten Meinungen. Und genau da sagt mir mein Verstand: "Richtig, auch das sind nur Meinungen". Wissenschaft ist Forschung - und so manche eherne Meinung musste irgendwann revidiert werden, wenn Forschungsergebnisse anderes bewiesen.
So viel kontroverse Meinungen hat man selten ... der eine sagt: "Du brauchst nur 100 mg Vitamin C täglich", der andere hat es eher mit Linus Pauling, der Nobelpreisträger nahm mehrere Gramm Vitamin C täglich ein. Die Wahrheit wird wohl eher individuell irgendwo dazwischen liegen.

Am Beispiel Amerika lassen sich derzeit gültige Meinungen vielleicht verdeutlichen: Irgendwann begann in Amerika die Low-Fat Welle. Die Menschen wurden immer dicker, was man dem hohen Fett-Konsum zuschrieb, also reduzierten die Amerikaner ihren Fett-Verbrauch - und wurden noch dicker. War wohl eine falsche Empfehlung.

Vertrau Dir ...

Auch ich habe schon viele Ernährungen ausprobiert - genützt hat es wenig, weil ich meinem Körper die Möglichkeit der "Antwort" nicht gegeben habe. Heute weiß ich, wenn ich lerne, auf das zu hören, was mein Körper mir sagt, dann fühle ich mich einfach wohler. Was meine ich damit?
Bei unserer heutigen Ernährungsweise haben wir fast alle verlernt wie Lebensmittel schmecken und was sie bewirken. Durch die immensen Möglichkeiten der Food-Industrie, weiß so mancher Verbraucher gar nicht mehr, wie naturbelassen schmeckt. Im Fernsehen sah ich vor einiger Zeit, wie ein Spitzenkoch ein leckeres Joghurt zubereitete und es dann Kindern im Vergleich mit einem Industrie-Joghurt gab. Fast alle Kinder schmeckten die frischen Früchte aus dem Industrie-Joghurt, obwohl da fast keine Früchte drin sind. Ist unser Geschmackssinn schon so beeinflusst, dass richtige Lebensmittel uns nicht mehr schmecken?
An meinem eigenen Beispiel möchte ich verdeutlichen, was ich mit "Antwort" meines Körpers meine. Ich persönlich reagiere auf pasteurisierte und homogenisierte Milchprodukte mit Völlegefühl. Hole ich mir Milchprodukte jedoch vom Bio-Bauern und achte darauf das sie aus Rohmilch sind, treten diese Probleme nicht auf. Das herauszufinden war etwas aufwändig. So habe ich einzelne Lebensmittel und Lebensmittel-Gruppen für einige Tage weggelassen und sie dann wieder gegessen, wenn meine Antwort "gut" war, konnte ich das weiter essen, sagte mein Körper jedoch "nein" dann trat nach dem Genuss dieses Lebensmittels eben jenes Völlegefühl auf.

Darum glaube ich heute, das jeder Mensch eine individuelle Ernährung benötigt - und es selbst herausfinden muss, was für ihn gut oder nicht gut ist.